Neubauten sollten immer Barrierefrei sein

Von Annett Meinke aus der Ostseezeitung

Landesbauverordnung ändern – das wünscht sich der Beirat für Menschen mit Behinderungen in Nordwestmecklenburg

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Heidrun Lange leitet die Malgruppe „Farbenfroh“. André Eichberg (30), der im St.-Georg-Stift in Grevesmühlen lebt, ist in der Gruppe kreativ. Die Bilder im Hintergrund hat Heidrun Lange selbst gestaltet.Foto: Annett Meinke

Grevesmühlen/Wismar. Sie kämpfen durchaus streitbar in der Sache für die Belange der Menschen, die sie repräsentieren und vertreten, die Mitglieder des Nordwestmecklenburger Behindertenbeirates – und das über die Landkreisgrenzen ­hinaus.

Ein Ziel, das Beiratsvorsitzender Wolfgang Griese auf der ersten Sitzung in diesem Jahr in der Grevesmühlener Malzfabrik formulierte, betraf dann auch gleich eine Veränderung der Landesbauordnung. „Erst, wenn wir im ganzen Land an den Punkt gelangen, dass grundsätzlich alle Wohnungen, die neu gebaut werden, barrierefrei sind, sind wir da, wo wir hinwollen.“ Zehn Prozent der Wohnungen sollten zudem, so Griese, rollstuhlgerecht sein. Diese Empfehlung will der Beiratsvorsitzende anlässlich des „Landtages der Menschen mit Behinderungen“, der am 5. September in Schwerin stattfinden wird, dem Landesparlament unterbreiten.

Antje Bernier, die zum Nordwestmecklenburger Beirat gehört und gleichzeitig die Landesvorsitzende der Lebenshilfe MV ist, sagt hinsichtlich dieses Termins: „Es wird interessant sein, zu sehen, was in den letzten zehn Jahren im Land überhaupt in Sachen Wohnen, Mobilität und Barrierefreiheit passiert ist.“ Im Jahr 2010 fand der erste „Tag für Menschen mit Behinderungen“ im Landtag statt – und seither nicht mehr. „Ob wir dieselben Forderungen, die wir damals bereits stellten, erneut stellen müssen – plus, nicht zu vergessen, der neuen Anforderungen, die mit der rasanten Entwicklung im Bereich der Technologie hinzugekommen sind – das wird sich noch zeigen“, so die Architektin.

Kinder sensibilisieren

Ein weiterer Aktionstag zur Gleichstellung von Menschen mit Behinderungen beschäftigte den Beirat auf seiner ersten Sitzung im Jahr. Dabei handelt es sich um einen Europäischen Aktionstag. Am 8. Mai werden Grundschüler aus der Käthe-Kollwitz-Schule in Rehna an insgesamt 16 Stationen unter anderem erfahren, wie es sich anfühlt, mit einer Behinderung zu leben – zum Beispiel in einem Rollstuhl zu sitzen und Hindernisse wie Stufen oder Absätze zu überwinden oder auch wie es ist, wenn man auf seine Augen oder das Gehör verzichten muss. Andererseits werden die Kinder der Klassenstufen 1 bis 4 auch mit Hilfe von Spielen und ­Informationen zum Thema unterrichtet.

Die Organisation dieses Tages übernahm Beiratsmitglied Dirk Möller vom Behinderten- und Rehabilitationssportverein Grevesmühlen. In jedem Jahr findet an einer anderen Schule im Landkreis ein derartiger Aktionstag statt, den der Behindertenbeirat organisiert.

Behindertengerecht Infos

Ein weiteres wichtiges Thema der Sitzung waren Neuerungen im öffentlichen Nahverkehr Nordwestmecklenburgs. Unter anderem plant das kreiseigene Nahverkehrsunternehmen Nahbus die Einführung eines dynamischen Fahrzeuginformationssystems (DFI).

An zunächst 48 Haltestellen im Landkreis soll ein elektronisches Informationssystem Auskunft über Fahrpläne, Fahrplanänderungen, Verspätungen oder andere Informationen anzeigen. Wichtig, so der Behindertenbeirat, ist, dass diese Informationen behindertengerecht gestaltet werden, zum Beispiel Anzeigen auf den elektronischen Anzeigetafeln oder -säulen in ausreichender Schriftgröße und akustische Auskünfte für Sehgeschädigte an den Haltestellen sowie innerhalb der Fahrzeuge.

Dass alle der insgesamt 1630 im Landkreis vorhandenen Haltestellen, wie Beiratsvorsitzender Wolfgang Griese ausführte, mit solch einem System ­ausgestattet werden, sei aus Kostengründen nicht möglich. Etwa 30 000  Euro soll eine Informationssäule kosten. Ob die Einführung des DFI an den geplanten Punkten bereits in diesem Jahr realisiert werde, bleibe ebenfalls abzuwarten.

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